Im Werk von Günther Förg ist ein Drang zum übergreifenden Zusammenhang zu spüren. Es gibt nicht so sehr einzelne Werke als vielmehr Werkgruppen.

Die Schnelligkeit des Verfahrens und die Vielfalt der Gattungen, in denen Förg arbeitet – er hat Wandmalereien, Bilder in verschiedenen Techniken, Druckgrafik, Fotografien und Skulpturen geschaffen – lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters eher auf die Haltung des Künstlers als auf seine Werke, zumindest wird die Konzentration des Betrachters auf formale Fragestellungen allein durch die Schnelligkeit des produktiven Ausstoßes des Künstlers ad absurdum geführt. Förg scheint von einem architektonischen Impuls ausgehend nicht so sehr einzelne Werke herstellen, sondern Sichtweisen präsentieren zu wollen.

1991 begann Günther Förg, sich mit dem Thema Masken zu beschäftigen. Neben seinen Fotos und 5 Torsi sind diese Masken die einzigen „figürlichen“ Arbeiten, die er bis heute veröffentlichte. Sie sind formal bzw. herstellungstechnisch deutlich auf Bronzemasken von André Derain und Jean Fautrier bezogen. Bei der Auseinandersetzung mit Derain geht es um das Problem der Authentizität eines Kunstwerkes – diese Frage ist schon im Werk von Derain gestellt, auch seine Masken weisen eine brüchige Authentizität auf. In der Auseinandersetzung mit Fautrier spielt die Frage nach der Möglichkeit existentieller Betroffenheit eine große Rolle. Besonders Fautriers Bleiskulptur Tête d’otage (1942–44), die in engem Zusammenhang mit den Geiselbildern Fautriers steht, lässt sich als Motiv für die „abstrakten“ Masken Förgs auffassen.

Technische Kniffe belegen die Kenntnis von Willem de Koonings Skulpturen – einige Masken erinnern in ihrer aggressiven Gestik an de Koonings Arbeit Head Nr. IV. Lässt man die kunsthistorischen Anspielungen von Förgs Maskenserie unberücksichtigt, um den Versuch einer unreflektierten Betrachtung zu unternehmen, so kann man im Verlauf der gesamten Serie das Auftauchen und
allmähliche Verschwinden des menschlichen Antlitzes als Motiv erkennen.

Schon bei den Reliefs und Skulpturen von Günther Förg ist überzeugend von einer Mechanisierung der Handschrift gesprochen worden, und auch diese Maskenserie wirkt trotz ihrer Ausführung mit bloßen Händen unhandschriftlich und neutral. Diese Neutralität ist faszinierend und im Werk von Förg als neue Facette zu werten, da diesmal die Serie mit verschiedensten stilistischen Mitteln hergestellt wurde und man trotz der eigentümlichen Distanz zwischen Künstler und Werk nicht von mechanisierter Herstellung sprechen kann. Die einzelne Maske bleibt dem Betrachter inhaltlich verschlossen, sämtliche Ausdrucksgehalte der kunsthistorischen Vorbilder sind aus ihnen getilgt worden. Sie wirken neutral, gereinigt vom Inhalt sind sie nur beschreibbar, nicht deutbar.

 

Ausschnitte aus dem Text „Günther Förgs Masken – eine schnelle Fassung moderne Bildhauerei“ von Kay Heymer