Dachlatten, Kaviar, Ziegelsteine, Unterhosen und Socken - das sind einige der Materialien, aus denen Georg Herold Kunst macht. Der soziale Aspekt in der Arbeit des Kölners äußert sich in der lakonischen Treffsicherheit der ironischen oder launigen Slogans, die er auf seine sperrig zusammengenagelten Dachlattenbilder schreibt (Dieser Mann ist gut zu seiner Frau, 1984, Dem Astloch war es schon immer egal was es produziert, 1984) oder auf 100 aufgetürrnte Dachlatten (100 Jahre 1. Mai, 1985), die jeweils mit dem Datum des 1. Mai eines Jahres beschriftet sind. Die beiden auf der documenta 9 gezeigten geschlossenen Türen, von denen die linke die Aufschrift "there is nothing left", die rechte "there is no right" trägt, scheinen das empfundene Vakuum innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung auf den Punkt zu bringen. Auch die ästhetisch ansprechenden Kaviarbilder mit strudel- oder sternbildartigen Anordnungen aus dem noblen Nahrungsmittel geben Kommentare zu Konsum- und Produktionsverhältnissen ab. Daneben thematisieren phallische Motivanspielungen den Machtanspruch männlich konnotierter Handlungsräume: Herrenunterhosen, die über eine Dachlatte (Monte Mola, deutschsprachiger Gipfel, 1985) oder ein Drahtgestell gezogen werden (Realer Realismus Gebirge, 1987) oder mit Beton ausgegossene Teesiebe (1987).

Nina Möntmann