Das formale Vokabular der Avantgarden und Neo-Avantgarden des 20. Jahrhunderts, vor allem des Minimatismus und seiner späteren Reinkarnationen, erfährt im Werk von Tom Burr eine neue ikonografische Aufladung. Im Gegensatz zu deren auf den neutralen Rahmen eines klassischen Ausstellungsraums bezogenen künstlerischen Strategien verbindet Burr seine formal oft strengen Arbeiten durch Verweise zur Pop- und Subkultur, besonders zur spezifischen Ästhetik homosexueller Szenen, mit einer soziokulturellen Fragestellung. Letztlich ist es also genau jene Qualität der Minimal Art, die am meisten kritisiert wurde, nämlich ihre theatralische Bühnenhaftigkeit, die Burr aufgreift und politisiert. Dabei interessiert ihn im besonderen Maße die Strukturierung des öffentlichen Raums und seine soziale, psychologische und sexuelle Konnotation. Folgerichtig situiert Burr seine Arbeiten daher oft in Zwischenräumen. Sein Thema sind nicht die großen architektonischen Gesten, sondern der intime Raum im öffentlichen, wie z.B. Telefonhäuser, öffentliche Toiletten, Gartenhecken, Pornokinos, düstere Bars und Videokojen. Die drei Boxen Black Pavillion No. 1, No. 2 + No. 3 aus der Ausstellung Private Property. Anti-Public Sculpture (1999) bei Almine Rech in Paris haben exakt jene suggestive Qualität, die für Burrs Arbeiten charakteristisch ist. Mit ihren dunklen Plexiglasfenstern und Gummiböden die Assoziationen unweigerlich in eine Weit der Fetische lenkend, führt die handwerkliche Präzision ihrer Ausführung zurück auf die sparsame unpersönliche Ästhetik der "Specific Objects" eines frühen Minimalismus.

 

Susanne Prinz