Vieles spricht dafür, dass die platonische Aufspaltung von Erscheinung und Idee bei Stefan Müller eine bedeutsame ist, denn während in seinen wenigen Skulpturen wie auch in seinen Bildern ein ungegenständliches Formenvokabular vorherrscht, muten viele seiner Titel anekdotisch an. So lesen sich manche wie spontane Witze, die seiner skeptischen Haltung gegenüber vermeintlich kritischer Kunst Ausdruck verleihen. Keinesfalls will er damit provozieren, vielmehr entspringen die anarchischen Frechheiten seiner Hilflosigkeit gegenüber den Zumutungen der Welt. Exemplarisch drückt er dies in den beiden 2002 entstanden Bildern Total Confusion und Total, Total Confusion aus, denen fröhlich bunte Linien um das Ich bzw. ein doppeltes Ich kreisen wie Elektronen um den Atomkern. In aller Öffentlichkeit stellt sich der Künstler hier die Frage, ob es heute noch gelingen kann, die große Geste Malerei mit dem eigenen psycho-sozialen Unvermögen in Einklang zu bringen.

Trotz dieser manchmal aufscheinenden repräsentativen Ebene ist für Stefan Müller eher eine Reduktion in der Material-, Motiv- und Farbwahl kennzeichnend. Malgrund können unbehandelte Leinwand und Baumwolle, aber auch Wolle und bedruckte Stoffe, sogar Sperrholz sein. Neben Bleichen und Farben werden die unterschiedlichen Oberflächen in einer Art Duchampschen Geste auch dem Zufall des vorhandenen Materials - Staub, Kaffee oder Malzbier - ausgesetzt. Mit diesem lakonischen Akt zerstört Müller die Aura des traditionellen Tafelbildes und führt seine Geburt als Meisterwerk aus dem Genie des Künstlers ad absurdum. Nur scheinbar im Widerspruch dazu steht, dass dennoch in den letzten Jahren eine ganze Reihe glanzvoll gemalter, heiterer Leinwände mit kaleidoskopisch schillernden Farben in einer Abfolge von Kreisen, Pilzen, Perlen, Linien und geometrischen Figuren entstanden. Sie sind lediglich die andere, schillernde Seite eines Versuchs, Malerei als bildnerisches Medium noch leisten zu können.

 

Susanne Prinz