Michael Krebber arbeitete an seinem Mythos, bevor sein erstes Bild entstand. Mit Sicherheit ist er einer der härtesten Betrachter von Kunst. Dies hemmt ihn bis heute in der eigenen Produktion.

Während in den späten achtziger Jahren die Renaissance der Malerei allmählich abflaute, frönte man neuen bildhauerischen Ansätzen. Transportable, in sich auratische Objekte jeder Art wurden in der westlichen Kunstwelt herumgereicht. Zu einem Zeitpunkt, in dem alles gut funktionierte, proklamierte Michael Krebber einen Paradigmenwechsel. In seiner Ausstellung in der Münchner Galerie Christoph Dürr im Jahre 1988 zeigte er leere Ausstellungsräume mit einem Broodthaers Zitat als Kommentar.

In den frühen neunziger Jahren fand Krebber zur Malerei zurück. Das Arbeiten gegen das eigene Händchen stand dabei im Mittelpunkt seines Tuns. Zweifel an der Möglichkeit, am Ende des 20. Jahrhunderts ein Bild zu malen, beziehungsweise an den eigenen Möglichkeiten hatten eine Untersuchung der Grundlagen der Malerei zur Folge. Mit einem minimalistischen Ansatz lotet Krebber das Bild aus, wobei er es oft am frühestmöglichen Zeitpunkt als fertig erachtet. Bestimmte Pinselstriche ziehen sich durch das gesamte Werk, und es ist besonders das Aufeinandertreffen verschiedener Farbqualitäten, das Krebber in einer kaum noch nachvollziehbaren Weise zu einem eigenartigen Spezialistentum führt. All das scheint immer gerade am Figurativen vorbei zu gehen, so dass Farbe und Strich dominant bleiben. Krebbers Interesse für den bestimmten Strich, den er bei Künstlern wie Herkules Seghers, Wols oder Polke schätzt, erkennt er in aller Deutlichkeit für die eigene Arbeit als maßgeblich an. Bei diesen Referenzen geht es ihm um die Erreichung bestimmter von ihm ausgemachter Eigenschaften und nicht um die Übernahme etwa einer Ideologie der Abstraktion.

Das Werk Michael Krebbers steht paradigmatisch für das Problem des heutigen Kunstschaffens: gute Kunst stellt eher Fragen und wirft Probleme auf, als dass sie eindeutige Antworten liefern kann.

Karola Grässlin