Meusers Werke haben die volle Wirklichkeit von „Gebilden“ – und er gibt ihnen das Gewicht und die Tatsächlichkeit der Dinge, die um uns sind. Sie schaffen Konzentration und Ruhe, obwohl sich Form und Materialität aus teilweise heterogenen Fundstücken, meist aus wuchtigem Eisenschrott aufbauen und das Zusammenstücken aus einzelnen Elementen wie T-Trägern, Platten, Gittern
und Scheiben oder eigentlichen Gerätschaften immer einsehbar bleibt.

Ambivalentes Grenzgängertum ist angesagt, das sich durch das ganze OEuvre zieht. Meuser schafft zwar dreidimensionale Realitäten, ist aber weniger Schöpfer vollplastischer Volumen, die in den Raum ausgreifen, als vielmehr bildartiger Konstellationen, die die Nähe der Wand suchen (Meuser braucht den Begriff der „Wandung“) und doch wirksam ihren Umraum aktivieren. Sie werden im aufgefundenen Rohzustand belassen wie auch mit Anstrichen in verschiedenen Rostprimern oder Mattlacken besetzt. Monochrome Farbflächen, die tafelbildartig funktionieren, lassen sich sozusagen als „materialisierte Leinwände“ lesen und verweisen unmittelbar auf den Kontext der Malerei. Kratzspuren im Metall verleihen diesen einen malerischen Duktus, und verhaltene Pinselgesten öffnen die faktische Gesamtpräsenz hin zu immateriellen Zonen.

Meuser ist kein Spurensicherer, der den Erzählungen erinnerter Lebensspuren lauscht; er ist aber auch kaum mit der Tradition der Eisenplastik verbunden, die sich tendenziell schmiedend-archaisch oder technoid gebärdet. Der ehemalige Beuys-Schüler und Philosophiestudent bedient sich naheliegender, ehemals zweckgebundener Form- und Materialrelikte als einem möglichen strukturellen Vokabular. Dessen abgenutzte Gegebenheiten wie Gestalt, Oberflächenbeschaffenheit, Proportion, Mass und ihre Relationen werden wirkungsvoll umgedeutet in autonome, rein bildnerische Erfahrungen. Meuser arbeitet nicht nach vorgefassten Konzepten und Prinzipien, obwohl gewisse methodische Konstanten deutlich werden. Er tastet sich im laufenden Arbeitsprozess zu gültigen Lösungen vor, verwirft und zerstört, verwendet ein bereits erprobtes Fundobjekt in einem späteren Werkzusammenhang.

Seine schlichte Formensprache kann sich konstruktivistisch anmutender Klarheit annähern, durch Repetivität an die normierte Objekthaftigkeit der Minimal Art gemahnen, und doch entzieht sie sich immer wieder puristischer Regelhaftigkeit. Die Gestaltanlagen bleiben bei aller Massivität porös für Bezüge und Beziehungen verschiedener Art, seien sie von trivialer, seien sie von
tiefgreifender Natur. Das Einfache meint bei Meuser sowohl das anspruchslose und doch sinnliche Da-Sein als auch die Suche nach wahrer Elementarität und künstlerischer Perspektive. Das Komponieren mit Reststücken verzichtet bewusst auf Formerfindung, bindet das Bewusstsein an das Gewöhnliche des Lebens, an das Fragmentarische jeder Erfahrung, an die Möglichkeit des
Scheiterns. Es lässt aber auch neue Fundamente und unverrückbare Ausgewogenheit glaubwürdiger erscheinen.

Bernhard Bürgi