Mit dem Beginn der Wilden Malerei um 1981 wurde Martin Kippenberger zu einem der Initiatoren des neuen bildhaften Ikonoklasmus, indem er beispielsweise einen VW Bus als Ausstellungsbeitrag in eine Malereiausstellung in München stellte oder seine Bilder von einem Plakatmaler malen ließ. Kippenberger hatte seit Anfang der 1980er Jahre Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in internationalen Galerien und Institutionen. Er ist einer der einflussreichsten Künstler für die nachfolgenden Generationen.

Martin Kippenbergers künstlerische Praxis hatte seit Anfang seiner Laufbahn viele Facetten. Er arbeitete in den unterschiedlichsten Medien wie Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Skulptur und Installation, äußerste sich in Texten, Gedichten, in Katalogen, auf Ausstellungsplakaten und Einladungskarten. Gleichzeitig kuratierte er Ausstellungen, war Sammler und Vermittler: Kippenberger verlegte Bücher, hielt Vorträge und editierte Ausstellungsplakate, nicht nur für sich, sondern auch für befreundete Künstler. Er benutzte jedes Medium als lebendiges Sprachrohr seiner Gedanken und verwischte bewusst deren Grenzen.

Die Arbeiten Kippenbergers entstanden meist situationsbedingt. Immer sind seine Themen aus dem Leben gegriffen, so war Miete, Strom, Gas der Titel seiner ersten institutionellen Einzelausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt im Jahre 1986. Kippenbergers Themen entzündeten sich oft an den Banalitäten des Lebens, der Politik, der Medien und der Werbung. Die
Vielschichtigkeit seiner Arbeiten bedingt sich durch die verschiedenen Kontexte, die er in seine Kunst einführt. Ebenso wie er kein Ereignis unkommentiert ließ, gab es für ihn kein Thema, aus dem sich nicht Kunst machen ließe. Gleichermaßen gibt es aber auch keine Kunst, die ohne Kontext einen Sinn stiften könnte. Gerade darin, wie auch in der Bereitschaft, Fehler und Korrekturen als Instrumente in die eigene Arbeit einzubeziehen und Klischees ständig zu überprüfen, ist Kippenbergers Werk für die Kunst der 1990er Jahre beispielhaft geworden.

Die kritische Hinterfragung des Kunstbetriebs spielte im Werk von Kippenberger eine besondere Rolle. Sein Weg mündet in eine Pseudo-Affirmation des Kunstbetriebs, die er mit einer Überproduktion an Werken und vermeintlicher Banalisierung der Kunst durch die Aufwertung alltäglicher Themen soweit vorantreibt, bis sie ins Ironische kippt und damit die Ideale des Kunstbetriebs dekonstruiert.

Die in St. Georgen gezeigten Arbeiten stehen exemplarisch für diese Arbeitsstrategien und beinhalten wichtige Themenkomplexe, die Kippenberger ein Leben lang verfolgten, wie Porträts, der Frosch, die Laterne oder das Selbstbildnis, um nur wenige Beispiele zu nennen. Martin Kippenberger war der Midas der zeitgenössischen Kunst, der vom Nasenpopel bis zur goldenen Laterne alles in Kunst verwandeln konnte. Sein Spektrum reichte dabei von Abartigkeiten bis zu humanistischem Gedankengut.

Karola Grässlin