„Die Taxonomie, d.h. die Klassifizierung der natürlichen Welt, ist ein vom Menschen entwickeltes Ordnungssystem, keine objektive Widerspiegelung der Natur. Ihre Kategorien werden aktiv angewandt und enthalten Annahmen, Werte und Assoziationen der menschlichen Gesellschaft.“ (Georges Cuvier, Taxonomy of Non-endangered Species, 1990)
„Natur“ ist Mark Dion zufolge eine kulturelle Konstruktion. Sie ist, wie das Zitat von Cuvier zu seinem Porträt des Naturforschers deutlich macht, eine Projektionsfläche menschlicher Vorstellungen. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähert sich Dion der Frage nach der Repräsentation von Natur. Dabei knüpft er thematisch und formal häufig an jene historische Phase im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert an, in der die subjektive Ordnung der „Wunderkammer“ der rationalen des Museums wich. Das naturhistorische Museum als Ort jener neuen Klassifikationssysteme nimmt daher eine zentrale Rolle in seinem Werk ein: Die (wissenschaftlichen) Prozesse der Benennung und der Kategorisierung sind immer auch Akte der Kontrolle – und folgen damit
der herrschenden Ideologie ihrer Zeit. Während die früheren Arbeiten die Bedrohung der Umwelt und der Artenvielfalt als Folge von Kolonialismus und Industrialisierung erkannten, reflektieren Dions Installationen seit Anfang der neunziger Jahre die Politik der Repräsentation vor allem innerhalb des Museums. In der Rolle des (reisenden) Natur- und Feldforschers umkreist Dion diese Thematik. In ironischer Überspitzung führt er die Prozesse des Sammelns, Kuratierens, Präsentierens und Archivierens vor – und gängigeKlassifikationssysteme ad absurdum.
Die Installation The Birds of Antwerp ist 1993 entstanden, als Mark Dion zu der Gruppenausstellung On Taking a Normal Situation in das Museum für zeitgenössische Kunst in Antwerpen eingeladen wurde. Im Rahmen seines Beitrages gestaltete er für das Vogelhaus des Antwerpener Zoos Kacheln, die das Vogelhaus noch heute zieren. Diese Kacheln waren Ausgangspunkt für die
Arbeit The Birds of Antwerp, ein Biotop für 15 afrikanische Finken, die während der Dauer der Ausstellung aus einem Tiergeschäft befreit wurden und einen Hauch von Freiheit genießen durften. Wir sind stolz darauf, dass wir nun einen geeigneten Ort gefunden haben, an dem Mark Dion seine Arbeit nach so langer Zeit rekonstruieren konnte.
Astrid Wege und Karola Grässlin