Das Bild vom Kapuzenträger gefällt ihm. Es ist so ambivalent wie er selbst, so widersprüchlich wie seine Arbeiten. In Spanien zum Beispiel ist ein Mann mit spitzer Kapuze ein Büßer. Auf den Philippinen erkennt man daran einen Freimaurer, einen antikolonialistischen Revolutionär. In den USA symbolisiert der Kapuzenträger ein Mitglied des rassistischen Ku Klux Klan. Manuel Ocampo
ist Philippine. Er hat in Manila, Los Angeles, Rom und Sevilla gelebt. Seine Identität ist eine multiple. Sie ist geprägt von Katholizismus und Kaugummi, von Marxismus und Micky Maus, und der Schock, den der Betrachter seiner Bilder befällt, mag dem Kulturschock entsprechen, den Ocampo am eigenen Leibe erlebte. In seinen Gemälden treffen die großen, die größten Symbole
zu einem grotesken Schauspiel zusammen. Manuel Ocampo, so scheint es, kennt keine Tabus.

Das Dekorative in seinen Arbeiten stört ihn ebenso wenig wie politische Anstößigkeit. Ocampo behauptet eine betont naiv anmutende Unbedarftheit, selbst historische Tragödien werden bei ihm zur Farce.

Politische Kunst habe zuweilen etwas sehr Herablassendes und Elitäres, sagt Ocampo, häufig beinhalte sie eine einzige Zurschaustellung der Überlegenheit des eigenen Bewusstseins. Das soll nicht heißen, dass seine Kunst keine Moral kennt, im Gegenteil: Ocampo zeigt die Welt als eine verkommen dekadente, deren ausgeblutete Ikonen und Symbole kaum mehr als nur Kitschpotenzial aufweisen. Er entlarvt die Errungenschaften der Zivilisation als Heuchelei und führt uns das Chaos als kollektiven psychischen Zustand vor. Dies tut er jedoch nicht mit dem Zeigefinger des Moralisten, sondern mit einem schelmischen Augenzwinkern und der Lust zum Tabubruch.

Seine Szenarien sind Bild gewordene Apokalypsen: krasse Szenen voller Gewalt, Dekadenz, Blasphemie, die die Foltermethoden spanischer Kolonialherren ebenso abbilden wie die Insignien des Heavy Metal oder die Typologie von Splatter Movies. Eine Mischung aus Comicwelt und barocken Schlachtengemälden, versehen mit Sprechblasen, deren Inhalt hochtrabend scheint und sinnentleert ist: A object expressing it’s unthinkability as works of art, so ein Titel, ist vermutlich „comprehensible only to a few initiates“ wie eine andere Aufschrift behauptet – eine humorvolle Interpretation zum Thema Selbstreferenzialität von Malerei. Von diesen Seitenhieben auf die bedeutungsschwangere Attitüde im zeitgenössischen Kunst- und Kulturbetrieb hat Manuel Ocampo eine ganze Menge in petto. Mit Verve spuckt er uns die gesamte Kulturgeschichte vor die Füße und lässt die Besucher seiner
Ausstellungen darauf herumtrampeln. Anders können sie sich in einigen seiner Schauen gar nicht fortbewegen, weil Ocampo die Bilder gern auf dem Boden ausbreitet – und somit zu ihrer Entmystifizierung beiträgt und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von den Wänden der Institution unterläuft. Mit Nonchalance ignoriert er jegliche Grenze, sei es die zwischen Malerei und Skulptur oder
jene zwischen Hochkultur und Trivialkunst.

Der religiöse und kulturelle Exorzismus von Manuel Ocampo ist ein obsessives, ein schmerzhaftes, aber reinigendes Unterfangen.

Sandra Danicke