Ein Blick auf die Arbeit von Kalin Lindena zeigt, dass trotz großer Konkurrenz Bilder aus dem künstlerischen Diskurs nicht verschwunden sind. Sie haben sich vielmehr von der Malerei emanzipiert und mit unterschiedlichsten Techniken und Materialien neu etabliert. Pergamin und Glas, Collagen, mit Beize bearbeitete Stoffe oder filigrane Buntstiftzeichnungen sind nur einige der Materialien Lindenas. In großformatigen Wandzeichnungen, Fotos und Objekten sucht sie nach Formen, persönliche Erinnerungen, Stimmungen und Gefühle auszudrücken. Mittels eines vielschichtigen, bezugsreichen Bildsystems fügt sie ähnliche Motive zu immer neuen Bildern und Erzählungen. Viele ihrer bisherigen Arbeiten beanspruchen daher, nicht, "fertig" zu sein, sie sind vielmehr Fragment eines jeweils übergeordneten Ganzen. Die große, wandfüllende Arbeit Around when you are von 2001 mit ihrer Konzentration auf Transparenz und Oberflächenstruktur zeigt beispielhaft, wie es der Künstlerin mit leichter Hand gelingt, gleichzeitig einen bildnerischen und einen erzählerischen Raum zu schaffen, je nachdem ob man sich als Betrachter eher für die Möglichkeiten abstrakter Farbflächen in der Tradition Palermos interessiert oder durch die Assoziationen von Licht und Luft an die Windmühlen Griechenlands erinnert fühlt. Es ist, als ob eine ewige Sonne scheinen würde. Kalin Lindena räumt ihren Arbeiten eine dritte Dimension ein, ohne auch nur im geringsten mit den Tricks der Perspektive die Illusion von Tiefe und Ausdehnung zu simulieren. Sie kalkuliert mit einem Davor, Danach und Dahinter genauso wie mit dem Raum, der ihr Breite und Höhe gewährt. Wo Kalin Lindena die Uneindeutigkeiten und attraktiven Momente in der Abstraktion sucht, vermeidet sie dezidiert jede Übersetzbarkeit. 

 

Susanne Prinz