Christian Philipp Müller sieht die Aufgabe des Künstlers darin, Aktionsräume und Grenzen sozialen Handelns in ortsbezogenen Projekten auszuloten und durch subjektive Inszenierungen bestimmte Inhalte heraus zu kristallisieren. Für jede dieser Recherchen über gesellschaftliche Zusammenhänge entwickelt er eine die Aussage ergänzende Form. So ist die Skulptur My Mercedes (2005) eine Raumzelle, deren Gestalt durch Le Corbusiers Modulor bestimmt wird. Wie Grundfläche und Höhe sind daher auch die verschiedenen Ein- und Ausblicke gewährenden Öffnungen an Corbusiers blaue und rote Reihe gebunden, die sich letztlich am Körper des 183 cm großen modularen Idealmannes orientieren. Im Inneren dieses aus dem Geist eines heroischen Utopismus abgeleiteten Kastens finden sich Siebdrucke, die die omnipräsenten Markenzeichen, international verbreiteten Images und assoziativen Werbesprüche von Daimler-Chrysler dekonstruieren und innerhalb alter Zusammenhänge neu sortiert zueinander in Beziehung setzen. Im vielschichtigen Spiel der Bild- und Textebenen gelangt Müller so zu neuen Assoziationsketten, die die Kommunikationsstrategien und die damit einhergehenden Ästhetiken eines international agierenden Konzerns auf ihre Essenz reduzieren. Exemplarisch führt er vor, wie die üblichen Imagetransfers und die zunehmend dramatischen Inszenierungen bestimmter Marken einen quasi surrealen Charakter annehmen und Bühnenbildern immer ähnlicher werden. My Mercedes war Teil der Ausstellung Berlin, Deutschland und der Rest der Welt in der Galerie Christian Nagel in Berlin, die wiederum in Zusammenhang mit den früheren lnstallationen The Sweetest Place on Earth, 2002 in der Galerie Christian Nagel in Köln, und BRANDING THE CAMPUS, seit 1998 in der Universität Lüneburg permanel installiert ist. Erstere beschäftigt sich mit der amerikanischen Stadt Hershey, deren Identität auf den Produkten einer einzigen Firma beruht, während letztere dies auf das akademische Feld überträgt.

 

Susanne Prinz