Mit einer bestechenden Radikalität halten die Installationen von Andreas Slominski der zeitgenössischen Kultur mit hintergründigem Humor einen entzerrenden Spiegel vor. Wie viel Farbe braucht man zum Anstreichen eines Leuchtturms oder eines Panzers? Findet mich das Glück oder will es gefunden
werden? Wie erschreckt man Personen, die sich nachts im Park aufhalten? Wozu braucht es einen Ofen zum Verbrennen von Astgabeln und was hat ein Fußball mit einem Kinderschädel zu tun? Das, was den Künstler umtreibt, könnte man ganz allgemein als Feldforschung beschreiben – ein ästhetisches und grundsätzliches Erkunden von Wahrnehmungen beiläufiger Art. Noch in den
einfachsten Dingen und Geräten entdeckt Slominski die Gestaltfähigkeit. Er sucht das Abwegige und offenbart im Absurden eine unvermutete Erkenntnis, oft durch List und Tücke. Dabei haben die Werke häufig einen doppelten Sinn: „Man kommt in einer Welt an, in der alles auf dem Kopf steht, in der alle Erwartungen ins Gegenteil verkehrt werden, in der Komödie schnell zur Tragödie wird und umgekehrt, wo an jeder Ecke Fallen lauern, jederzeit bereit, den Betrachter zu übertölpeln, zu peinigen oder auch zu erfreuen.“ (Nancy Spector)

Andreas Slominski ist so etwas wie der Fallensteller und Bluffer der Kunstszene. Meist macht er ästhetische Angebote, die sich genau in dem Moment, in dem man sich auf sie einlässt, nicht einlösen. Bekannt geworden ist Slominski mit seinen „Fallen“. Der Künstler legte echte Tierfallen als Ready-mades im Kunstraum aus, die wirklich funktionierten und „fängisch“ gestellt waren.
Sie stellten daher eine reale Gefahr für den Betrachter dar. Das „Kunstwerk als Falle“ – dies ist nicht nur wörtlich, sondern auch symbolisch zu verstehen: Wer ein Kunstwerk interpretieren will, muß sich in dessen sinnliche und begriffliche Welt begeben, in der er dann während der Rezeption zunächst gefangen ist. Wer aber gleichsam außen vor bleibt, der hat die Chance, sich unversehrt
an der bloßen Form des Werkes zu erfreuen. Die „Fallen“ sind also banale Gebrauchsobjekte, konzeptionelle Kunstwerke und autonome Skulpturen zugleich. Ein weiteres Arbeitsprinzip von Andreas Slominski läßt sich mit der Formel „Viel Lärm um nichts“ umschreiben. In seiner „Golfball-Aktion“, 1995, beispielsweise präsentierte der Künstler nichts als einen handelsüblichen Golfball im Museum Haus Esters in Krefeld. Zuvor hatte ein ortsansässiger Golfspieler diesen Ball über das Dach des Museums geschlagen. Der Ball fiel auf einen eigens hierfür bereitgestellten, vom Golfspieler nicht zu sehenden LKW und rollte dann von dessen gekippter Ladefläche durch ein zuvor ausgebautes Fenster an seinen Platz im Ausstellungsraum. Ökonomische Prinzipien wie
Effizienz und die Verhältnismäßigkeit der Mittel wurden – wie so oft im Werk von Andreas Slominski – mit geplanter, gleichzeitig aber auch im wortwörtlichen Sinne „zufälliger“ Sorgfalt ad absurdum geführt.

Die neuesten Schöpfungen von Andreas Slominski bestehen aus Schaukästen, in denen verschiedene Versatzstücke aus Styropor zu Collagen zusammengefügt sind. Obgleich ihre Formensprache an Arbeiten von Claes Oldenburg, Martin Kippenberger oder Mike Kelley erinnern, nehmen diese Bilder in der derzeitigen Flut an Malerei eine eigenwillige Position ein.

Karola Grässlin