DIE ARCHITEKTUR DES GEBÄUDES

Im Jahre 2002 betraute die Sammlerfamilie Grässlin den Kölner Architekten Lukas Baumewerd mit dem Entwurf einer Halle zur sachgerechten und optimalen Lagerung ihrer Kunstsammlung, die aus zumeist großformatigen Werken besteht. Gewünscht war ein Gebäude, das den pragmatischen und logistischen Aufgaben von An- und Abliefern, Lagern und Verwalten von Kunst dienen sollte; zur Verfügung stand ein Baugrundstück mit starker Topografie in einer heterogenen Baustruktur.

Schon in den ersten Entwurfsskizzen schlug Lukas Baumewerd vor, den Neubau in das seit Jahren durch die Familie Grässlin etablierte Konzept „Kunstschaufenster“ zu integrieren, in dem leer stehende St. Georgener Ladenlokale für temporäre Kunstausstellungen genutzt werden. Ein kleiner, zum öffentlichen Raum hin orientierter Ausstellungsraum am Kopf der neuen Lagerhalle sollte den Kunstspaziergang durch St. Georgen ergänzen und neue Möglichkeiten eröffnen. Ein Vorschlag, der sofort auf Zustimmung bei den Bauherren stieß und gleichzeitig die intensive Diskussion über die Zielsetzung des Projektes neu eröffnete. Aus der zunächst rein funktionalen Bauaufgabe entwickelte sich der Wunsch, das Gebäude der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. So war es dann auch nahe liegend, das durch Sabine Grässlin betriebene und in St. Georgen seit Jahren beliebte Restaurant „Kippys“ in das Projekt zu integrieren.

Die Bauaufgabe bestand nun aus drei Gebäudeteilen und war entwurflich so umzusetzen, dass jeder einzelne Bereich die optimale Funktionalität und Gestaltung in Form und Ausdruck erhält. Zusammengerückt und die Zielsetzung abbildend, stehen heute drei eigenständige Baukörper: Lagerhalle – Ausstellungshalle – Restaurant.  Rechteckige liegende Volumen, deren Größe und Proportion sich aus dem jeweils eigenen Raumprogramm sowie der funktionalen Anforderung erklärt. Parallel und sich berührend, stehen die drei so beieinander, dass sie einen öffentlichen und einladenden Platz umschließen. Alle drei Bauteile verbindet die klare und schlichte Form mit hochwertig verputzter Hülle, während Elemente wie Eingang, Fenster, Fassade, Oberlicht und Vitrine als individualisierende kostbar detaillierte Elemente hinzugefügt sind.

Die Ausstellungshalle, Herz des Ensembles, präsentiert sich als „white cube“ mit axialsymmetrischem Grund- und Aufriss – links und rechts flankiert von Restaurant und Lager orientiert sich ihre Hauptfassade zum Platz hin. Eine imposante 4 Meter hohe Türe führt in das Innere des Ein-Raum-Gebäudes, einem wohlproportionierten neutralen Raum, der durch deckenbündige Oberlichter rhythmisiert und diffus belichtet wird. Museumsarchitektur bekennt sich hier als dienend, stellt Fläche für Kunst zur Verfügung und bleibt im Hintergrund. Eine großzügige, seitlich angeordnete Türe verbindet Ausstellungs- und Lagergebäude. Lukas Baumewerd nutzt geschickt die schwarzwaldtypische Hanglage des Grundstücks für den enormen Lagerflächenbedarf. Auf diese Weise hat die platzbegrenzende Wand die gleiche Höhe wie das Restaurantgebäude, während sie die Rückseite des Ensembles fast zweigeschossig abschließt.

Das Innenleben besteht aus technischen Einbauten, die für die Logistik einer Kunstsammlung notwendig sind. Die Gebäudehülle zeigt sich im Wesentlichen geschlossen. Ganz anders das Restaurant – Café-Bar „Kippys“. Dieses Gebäude besetzt den Standort des Grundstücks mit der größtmöglichen Öffnung nach außen. Signalhaft und einladend schiebt sich der sorgfältig gestaltetet und großzügig verglaste Eingang an der neuen „Museumsstraße“ aus dem Gebäude heraus. Der Gastraum orientiert sich sinngemäß zum Platz hin; im Sommer erweitert sich dieser Raum um eine vorgelagerte, überdachte Terrasse auf den Platz. Als nahezu unsichtbare Schwelle zwischen Innen und Außen fungiert eine raumhohe Schiebetüranlage von höchster Filigranität und Präzision.